Luftnummer!

aerodrums_gross Die digitale Revolution schreitet unaufhaltsam voran. Dass sie dabei auch völlig unnötige Dinge erfindet, ist logisch und systemimmanent. Wer sich in den einschlägigen Blogs herumtreibt, staunt oft nicht schlecht, mit welchem Erfindungsreichtum die Protagonisten agieren! Natürlich sind oft auch kuriose Ideen mit dabei. Eine solche ist zweifelsfrei das sogenannte „Airdrumming”. Kurz zur Erklärung: Man spielt quasi pantomimisch mit Stöcken in der Luft, eine Kamera nimmt die Bewegungen der Hände und Füße auf und überträgt diese auf den Rechner, der sie in Drumsounds übersetzt, sozusagen Wii für Drummer. Soweit die Idee.

Selbstverständlich werden die Erfinder nicht müde, uns zu erklären, warum diese Neuerung für uns Schlagzeuger wichtig ist und zählen eine ganze Liste von Vorteilen auf, die dieses neue „Instrument“ anscheinend mit sich bringt. Abgesehen vom kurzzeitigen Spaßfaktor und davon, wie peinlich das Gefuchtel in der Luft aussieht, haben wir hier im drum department doch eine andere Einstellung dazu: Schlagzeugspielen ist, wie jedes Instrument, eine Erfahrung für so gut wie alle Sinne! Das archaische Gefühl der Tonerzeugung durch Schlagen mit Stöcken ist in allen Kulturen der Welt eine fest verankerte Ausdrucksmöglichkeit des Menschen. Es gehört nicht nur die Bewegung dazu, sondern vor allem der Klang und die dazugehörige kinestätische (Empfindung der Bewegung) Erfahrung des Musikers. Der Körperschall eines Schlagzeugs ist dabei ein ganz wichtiges Element des Spielgenusses, der sich schon bei normalen E-Schlagzeugen quasi in Luft auflöst, es sei denn, man bringt mit einer groß dimensionierten P.A.-Anlage den Schalldruck wieder ins Spiel. Bei den E-Sets ist der Schlagzeuger zu einem reinen Klangauslöser herabgewürdigt, denn der Sound wird ja digital im Rechner erzeugt.

Airdrumming setzt dem Ganzen noch eines drauf: die Pads als Klangauslöser fallen weg, der Drummer ist nur noch Pantomime. Die Geschmeidigkeit der Bewegungsabläufe, das erhebende Gefühl, direkter Klangauslöser zu sein und den Klang durch Anschlagtechnik modulieren zu können, ist für alle Schlagzeuger absolute Voraussetzung für die wahre Spielfreude. Schlagzeugspielen ist und bleibt laut und druckvoll! Jeder Versuch, dies zu verändern, nimmt dem Instrument einen Großteil seiner Faszination und seiner Magie. An der Begeisterung für Aerodrums werden wir uns auch in Zukunft nicht beteiligen – bei uns lernt man Schlagzeugspielen wie es sein soll: laut, archaisch, emotional und intensiv. Deshalb haben wir im drum department sechs schallisolierte Unterrichtsräume und in jedem Raum einen Gehörschutz, für eine der schönsten Sachen der Welt: Schlagzeugspielen pur!

Das möchte ich meinen Freunden zeigen...Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone