Ein Haufen Geld!

haufengeldgross Wir Schlagzeuger sind ja Kommunikationsexperten – das liegt allein schon am Instrument – und gehen mit offenen Augen und Ohren durch durchs Leben. Ein Kollege von uns hat im Schaufenster der örtlichen Volksbank ein Easy Credit Plakat mit einem Drumset darauf erspäht. Eine schnelle Internetrecherche offenbarte einen dermaßen Werbeunfug, den wir euch nicht vorenthalten wollen:

Das Filmchen auf youtube zeigt einen jungen Papa, der das Interesse seiner Tochter an Rhythmus seit Kindheit an erkennt, und dann zur Tat schreitet: Er nimmt einen 7.700,- Euro Kredit bei besagter Volksbank auf und überrascht seine mittlerweile ca. 14-jährige Tochter mit einem Schlagzeug, welches er in seiner Garage aufgebaut hat. Dieses Werbefilmchen erinnert uns spontan an ein Suchbild: Wer entdeckt die Fehler? Na, schon welche gefunden? Wir geben hiermit gerne Expertenrat:

Nun, da ist so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, und man muss sich fragen, wer eigentlich eine solch derart verquastete Anzeigenkampagne verbrochen hat! Für die Suchfreunde unter euch hier die Fehler im Detail:

1. Es ist pädagogisch ein großes Versäumnis, so lange zu warten, um Begabungen des eigenen Kindes zu fördern. Ein Musikinstrument ermöglicht einem Kind den Ausdruck von Gefühlen, es ist ein sensibler Prozess, der immer gemeinsam mit dem Kind beschritten werden soll, und nicht mit einer Hau-Ruck-Überraschung im Teenager-Alter. Ein langsames Heranführen an das Wahlinstrument ist geboten. Papa, das hättest du besser machen können, oder hast du womöglich ein Kommunikationsproblem mit deiner Tochter?

2. Wo hat sich denn der Papa beraten lassen? Das Set, das völlig unprofessionell aufgebaut in der riesigen Garage steht, ist ein No-Name-Produkt und stellt einen Gegenwert von maximal 800,- Euro dar. Eine kurze Recherche im Internet hätte das sofort ergeben. Die Frage lautet, was hat er mit der restlichen Kohle gemacht? Oder soll der Werbespot suggerieren, dass Schlagzeugspielen ein so teures Vergnügen ist? Oder hat der Papa den Kreditgeber der Volksbank hinters Licht geführt, um sich so noch den ein oder anderen Wunsch zu ermöglichen? Abgesehen davon, dass der Papa und seine Behausung nicht den Eindruck entstehen lassen, dass hier Geld ein Problem darstellt. Die Größe der Garage spricht für sich…

Wir hätten für die Werber der Volksbank und für alle Eltern, die sich von einer solchen Anzeigenkampagne angesprochen fühlen, folgenden Vorschlag:

Zuerst eine kostenlose Probestunde für Kinder bis 13 Jahre im drum department, im Anschluss daran ein Schnupperpaket mit Einzelunterricht. Bei Gefallen besucht die Tochter den wöchentlichen Unterricht bei uns, übt für sehr wenig Kosten im drum department solange, bis der Wunsch, ein eigenes Drumset zu besitzen, gefestigt ist. Dann bekommen Vater und Tochter bei uns eine perfekte Beratung, der Papa bestellt ein Top-Markenprodukt mit Becken und allem drum und dran für ca. 1.500,- Euro. Mit dem Rest seines Kredites spendiert er seiner Tochter ca. 6 Jahre lang den exzellenten Unterricht im drum department! Wenn sie dann 14 Jahre alt ist, dann steht nicht nur ein so lumpiges, überteuertes Kit in der Garage des Papa, sondern sie ist eine erstklassige Schlagzeugerin, die in einer Band spielt…

Tja, liebe Leute vom Marketing der Volksbank: Nächstes Mal wäre es doch klüger, Experten zu fragen, bevor man so daneben langt. Aber in einem haben die Experten dennoch recht:

Schlagzeugspielen ist ein Traum – wohl dem, der ihn wahrmacht! Und einen Haufen Geld braucht man auch nicht dafür!

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